geplante / aktuelle Sendung vom 31.8.2001
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AutorName |
AutorEmail |
GedichtTitel |
GedichtURL |
Homepage |
Radiosendetermin |
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Doc Michi |
gelöscht |
Remeo und Julian |
31.08.01 |
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Kornblume Jürgen Kinghorst |
gelöscht |
Flüchtige Begegnung |
31.08.01 |
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Bernd Hutschenreuther |
gelöscht |
Es gab eine Jungfrau in Schleiz |
http://members.aol.com/hutschi/limbe.htm[DateiZitatTrenner]Es gab eine Jungfrau in Schleiz, |
31.08.01 |
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Jürgen Hatzl |
gelöscht |
krieg mit worten |
31.08.01 |
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Michael Bauer |
gelöscht |
sanft |
31.08.01 |
Dabei wurden die Gedichte
"sanft" von Martin Bauer und
"krieg mit worten" von Jürgen Hatzl
von den Beiden selbst vorgetragen. Für die Sendung stand mir die Vorträge als
MP3-Dateien zur Verfügung.
Die angegeben Poesiealbumssprüche finden Sie hier.
Das Gedicht von Friedrich von Hagedorn (1708 -1754):
Johann, der Seifensieder
Johann, der muntre Seifensieder,
Erlernte viele schöne Lieder
Und sang, mit unbesorgtem Sinn,
Vom Morgen bis zum Abend hin.
Sein Tagwerk konnt ihm Nahrung bringen:
Und wann er aß, so mußt er singen;
Und wann er sang, so war's mit Lust,
Aus vollem Hals und freier Brust.
Beim Morgenbrot, beim Abendessen
Blieb Ton und Triller unvergessen;
Der schallte recht; und seine Kraft
Durchdrang die halbe Nachbarschaft.
Man horcht; man fragt: Wer singt schon wieder?
Wer ist's? Der muntre Seifensieder.
Im Lesen war er anfangs schwach;
Er las nichts als den Almanach,
Doch lernt' er auch nach Jahren beten,
Die Ordnung nicht zu übertreten,
Und schlief, dem Nachbar gleich zu sein,
Oft singend, öfter lesend, ein.
Er schien fast glücklicher zu preisen,
Als die berufnen sieben Weisen,
Als manches Haupt gelehrter Welt,
Das sich schon für den achten hält.
Es wohnte diesem in der Nähe
Ein Sprößling eigennützger Ehe,
Der, stolz und steif und bürgerlich,
Im Schmausen keinem Fürsten wich:
Ein Garkoch richtender Verwandten,
Der Schwäger, Vettern, Nichten, Tanten,
Der stets zu halben Nächten fraß,
Und seiner Wechsel oft vergaß.
Kaum hatte mit den Morgenstunden
Sein erster Schlaf sich eingefunden;
So ließ ihm den Genuß der Ruh
Der nahe Sänger nimmer zu.
Zum Henker! lärmst du dort schon wieder,
Vermaledeiter Seifensieder?
Ach wäre doch zu meinem Heil
Der Schlaf hier, wie die Austern, feil!
Den Sänger, den er früh vernommen,
Läßt er an einem Morgen kommen,
Und spricht: Mein lustiger Johann!
Wie geht es Euch? Wie fangt Ihrs an?
Es rühmt ein jeder Eure Ware;
Sagt, wie viel bringt sie Euch im Jahre?
Im Jahre, Herr? Mir fällt nicht bei,
Wie groß im Jahr mein Vorteil sei.
So rechn' ich nicht! Ein Tag bescheret,
Was der, so auf ihn kömmt, verzehret.
Das folgt im Jahr (ich weiß die Zahl)
Dreihundertfünfundsechszig mal.
Ganz recht! Doch könnt Ihr mir's nicht sagen,
Was pflegt ein Tag wohl einzutragen?
Mein Herr, Ihr forschet allzusehr;
Der eine wenig, mancher mehr;
So wies dann fällt: Mich zwingt zur Klage
Nichts, als die vielen Feiertage;
Und wer sie alle rot gefärbt,
Der haue wohl, wie Ihr, geerbt,
Dem war die Arbeit sehr zuwider;
Das war gewiß kein Seifensieder.
Dies schien den Reichen zu erfreun.
Hans, spricht er, du sollst glücklich sein.
Itzt bist du nur ein schlechter Prahler;
Da hast du bare funfzig Taler:
Nur unterlasse den Gesang!
Das Geld hat einen bessern Klang.
Er dankt, und schleicht mit scheuem Blicke,
Mit mehr als diebscher Furcht zurücke.
Er herzt den Beutel, den er hält,
Und zählt, und wägt, und schwenkt das Geld,
Das Geld, den Ursprung seiner Freude,
Und seiner Augen neue Weide.
Es wird mit stummer Lust beschaut,
Und einem Kasten anvertraut,
Den Band und starke Schlösser hüten,
Beim Einbruch Dieben Trotz zu bieten,
Den auch der karge Tor bei Nacht
Aus banger Vorsicht selbst bewacht.
So bald sich nur der Haushund reget,
So bald der Kater sich beweget,
Durchsucht er alles, bis er glaubt,
Daß ihn kein frecher Dieb beraubt,
Bis, oft gestoßen, oft geschmissen,
Sich endlich beide packen müssen:
Sein Mops, der keine Kunst vergaß,
Und wedelnd bei dem Kessel saß,
Sein Hinz, der Liebling junger Katzen,
So glatt von Fell, so weich von Tatzen.
Er lernt zuletzt, je mehr er spart,
Wie oft sich Sorg und Reichtum paart
Und manches Zärtlings dunkle Freuden
Ihn ewig von der Freiheit scheiden,
Die nur in reine Seelen strahlt,
Und deren Glück kein Gold bezahlt.
Dem Nachbar, den er stets gewecket,
Bis dei das Geld ihm zugestecket,
Dem stellt er bald, aus Lust zur Ruh,
Den vollen Beutel wieder zu,
Und spricht: Herr, lehrt mich bess're Sachen,
Als, statt des Singens, Geld bewachen.
Nehmt immer Euren Bettel hin,
Und laßt mir meinen frohen Sinn.
Fahrt fort, mich heimlich zu beneiden,
Ich tausche nicht mit Euren Freuden.
Der Himmel hat mich recht geliebt,
Der mir die Stimme wiedergibt.
Was ich gewesen, werd ich wieder:
Johann, der muntre Seifensieder.
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