das Sprachlabor - die Vortragsliste

Das Sprachlabor beginnt normalerweise
jeden ersten, dritten und fünften Freitag im Monat   
kurz nach 16:00 nach den Lokalnachrichten;
und das Sprachlabor endet um 17:00

 eine Sendung beim
 
auf 107,1 MHz
 
UKW-Göttingen

oder als Stream 
übers Internet

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Nachtrag: 11. Juni 2009 - Aus Datenschutzgründen und wegen des hohehn Spamaufkommens wurden die Emailadressen von der Website genommen. Auch wegen Datenschutz werden die Telefonnummern und dezifierte Adresstdaten gegebenenfalls gelöscht.

vorherige Sendung

Sendung vom 18.3.2005

===>> Die Gedichte der nächsten Sendung am 1.4.2005 <<===

Sprecher und Komoderatoren
Gedichte in der Sendung
Sendereihenfolge von Musik, Kommentaren und Gedichten
CD-Referenz

sonstige

Sprecher und Komoderatoren

Dr. Dieter Porth (verantwortlich) 

Wieland (Komoderation)

Gedichte in der Sendung

 
Dichter Email Titel Tiefenlink Homepage Sendung am Gedichtnr
Rene Fritsch Küsse mein radio http://www.literaturzone.org/?text=3501  http://www.literaturzone.org  18.03.05 1
Oliver Konow Island http://www.oliver-konow.de/interess/buecher/gedichte.htm#23  http://www.oliver-konow.de/  18.03.05 2
Karin Heinrich Brücken http://www.gedichtschatulle.de/probe08.htm#T006  http://www.gedichtschatulle.de/  18.03.05 3

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Sendereihenfolge

*Tom de Toys + Jo Marek "Leicht wie Liebe" plus Ansage Track 1
-- Tom de Toys + Jo Marek "Viel Leicht Wie Liebe"

- Gedichte der heutigen Sendung, Kommentare zu den Gedichten
- Mitmoderatoren Wieland 
- 0551 / 42710 (während der Sendung in den Musikpausen)
- Hitliste (mit Unterlegmusik - Titel 1)
- Sonderthema: ----
- Aufruf:: "Göttinger schreiben Gedichte zu Göttingen"

Striking Man "My House" - CD 1 Track 3
[disko] The power of the house nation vol1

Test: Lesung von Romanabschnitten als Buchpräsentation 
Ute Eppich "Sandsturm" - Lesung Dieter
Ute Eppich "Sandsturm" - ‚INTRAG Publishing Los Angeles' - 2004 - ISBN: 1-933-14005-4 
        (Bezug über Libri oder Amazon)
- Lesung zum Teil mit Unterlegmusik -
Diane Ponzio "low flame" - Track 3 
Diane Ponzio "Something personal"
heute, 18.3, Live in Northeim, "Alte Brauerei" - 20:00 - 10€

Renè Fritsch
"Küsse mein Radio" - Wieland
Kuersche "Big World" - Track 1
Kuersche "Chinese Firecrackers"

Oliver Konow
"Island" - Dieter
The Gillan "Restless I" - Track 12
The Gillian "Tapes - volumne I"

- Kontakt während der Sendung 0551 / 42710 während der Musikstücke
a) sonstige Kontakte: - Stadtradio, Gronerstraße 2, 37073 Göttingen 
- Email --- keine Emailangaben --- 
- Montagabend: Go-Spielen im Apex (Gö-Kneipe, Burgstraße - wenn es meine Zeit zulässt)
b) Verantwortlichkeit: Dr. Dieter Porth Live
c) nächste Sendung 1.4.2005 (16:00 - 17:00) 
d) - Aufruf:: "Göttinger schreiben Gedichte zu Göttingen"

Karin Heinrich
"Brücken" - Wieland
Gary Moore "Walking by myself" - CD 2 Track 11
[Rock] "Rock classics"

CD Referenz

 
Bandname Bandemail Bandwebsite Albumname Shoplink Bandlabel LabelEmail Labelwebsite gespielter Track Radiosendung Liednr Sendedatum Titelliste
Tom, de Toys
http://www.kuenstlernetz-neukoelln.de/  Viel leicht wie Liebe --- Poemie

1 das Sprachlabor 1 18.03.05 1. Leicht wie Liebe / 2.vielleicht
[Disko] --- --- The power of the house nation - Vol 1 - CD 1(2) --- SPV --- http://www.spv.de/  3 das Sprachlabor 2 18.03.05 1. C-Mania "Cross my Mind / 2. Catania: H.H. House / 3. Striking Man: My House / 4. The Fog: Been a long time / 5. Bohannon: The Stomp / 6. DJ HMG: Phreakin / 7. Joe Smooth: Priomised Land / 8. Thermostativc: Women beat theri men / 9. Groove solution: Magic melody / 10. Joi Cardwell: Love and Devotion
Diane Ponzio http://www.dianeponzio.com/  Something personal http://www.dianeponzio.com/acds.html  SM / Soulfeggio Music ---- ---- 3 das Sprachlabor 3 18.03.05 1. Inky / 2. Permanent Damage / 3. Low Flame / 4. The night never ends / 5. Taps on their Sneakers / 6. Nonna / 7. Foreign country / 8. Think, Think, Think / 9. Zoe's Room / 10. Didn't we Rock / 11. Your Time / 12. Hero
Kuersche http://www.kuersche.de  Chinise Firecrackers --- Pulse-entertainment www.pulse-entertainment.de  1 das Sprachlabor 4 18.03.05 1. Big world / 2. Where you belong / 3. If you go / 4. Face / 5. Plastic figures / 6. The prize / 7. Rich / 8. Who's rich / 9. Tried to call / 10. Princess of the moon / 11. Happy Day / 12. Welcome to tomorrow / 13. Never give up
The giillan --- http://www.gillan.com/  Tapes - volume 1 --- Angel Air Records --- http://www.angelair.force9.co.uk/page1.htm  12 das Sprachlabor 5 18.03.05 1. Maelstrom / 2. Bad News / 3. Fiji / 4. Take a Hold of yourself / 5. Come tomorrow / 6. No easy way (writing session) / 7. No easy way / 8. Ar you are confident / 9. Are you sure / 10. Don't want the truth / 11. It isnt going to die / 12. Restless I / 13. Restless II / 14. Higher and Higher / 15. Smokin and smowakin / 16. Night light / 17. Mutually insured third party fire and Theft (Mad) / 18. Because you lied
[Rock] --- --- Rock Classics - Media Markt collektion - CD 2 (3) --- Media-Markt Collection --- --- 11 das Sprachlabor 6 18.03.05 1. Fury in the Slaughterhouse: Time to wonder / 2. Bandits: Catch me (short Version) / 3. Ugly Kid Joe: Cats in the Cradle / 4. Cinderella: Shelter Me / 5. Gotthard: Mountain Mama / 6. Extreme: Hold Hearted / 7. Huey Lewis and the News: Heart and Soul / 8. Hall & Dates: Out of Touch / 9. Rick Springfield: Jessie's girl / 10. Richie Sambora: Made in America / 11. Gary Moore: Walking by myself / 12. J.J.Cale: Cocaine / 13. The sentional Alex Harvey Band: The faith healer / 14. Billy Idol: Dancing with myself / 15. Styx Mr. Roboto / 16. J. Geils Band: Centerfold

Die E-Maiadressen werden hier nicht mehr scharf gemacht, um dem Spam keinen Vorschub zu leisten. Bitte in den Emailadressen jeweils das & durch ein @ ersetzen. 

Nachtrag: 11. Juni 2009 - Aus Datenschutzgründen und wegen des hohehn Spamaufkommens wurden die Emailadressen von der Website genommen. Auch wegen Datenschutz werden die Telefonnummern und dezifierte Adresstdaten gegebenenfalls gelöscht.

Da ich im  "Sprachlabor" gerade den Nachwuchsmusikern eine Chance geben möchte, stelle ich in der Sendung auch gerne Musik von unbekannteren Bands vor, wobei auf der Website weitere Kontaktinformationen zu finden sind. Schicken Sie mir einfach eine Demo-CD zu (Adresse). 

In der Sendung selbst wird alles gespielt - von Klassik über Blues und Jazz bis zum Hip-hop, House, Punk und Rap. Ein Senden kann ich nicht versprechen, aber wenn ein Musikstück zu einem Gedicht passt, wird es in die Sendung eingebaut.     Dr. Dieter Porth 

Sonstiges

In der heutigen Sendung lese ich aus dem Buch

Ute Eppich,  "Sandsturm", INTRAG Publishing: Los Angeles - 2004  - ISBN: 1-933-14005-4.
(Wegen des ausländischen Verlags kann das Buch nur über Libri oder  Amazon bezogen werden.)

Auszüge aus Ute Eppich "Sandsturm"

Alle kursiv gedruckten Stelle sind nur redaktionelle gesetzte Übergangstexte

Eva und Reimer befinden sich mit ihrer Reisegruppe in einem Zug durch das fiktive Land Gigantomanien. Die Fahrt wird wegen eines angekündigten Sandsturmes auf freier Strecke unterbrochen. Beide beschließen, den Zug zu verlassen und den Sandsturm im Wald abzuwarten.

Sie ging, anfangs vor Müdigkeit fast torkelnd durch die Gänge. In den Abteilen sah sie nur dösende und schlafende Passagiere. Zuerst war sie verwundert, dann aber kroch wieder dieses undefinierbare Unbehagen, das sie heute schon einmal gefühlt hatte, in ihr hoch. Gefahr schien in der Luft zu liegen, aber sie wusste nicht, welche. Es war nur ein Gefühl, aber das wurde mit jeder Minute stärker.
Ihr Magen signalisierte leichte Übelkeit und das Herz begann schnell und heftig zu schlagen. Sie wusste jetzt, dass hier etwas nicht stimmte. Denn so reagierte sie immer nur, wenn ihre Ahnungen Hand und Fuß hatten. Sie war ja selbst hundemüde. War im Zug vielleicht eine Krankheit ausgebrochen, eine Art Schlafkrankheit? War das der Grund, weshalb man den Zug aufgehalten hatte? Wollte man sie aus Angst vor einer Epidemie gar nicht erst in die Stadt fahren, sondern hier lieber verhungern lassen?

Während sie sich durch die Gänge quälte, griff sie immer wieder mit der Hand haltsuchend an die Gangwand, um nicht zu stolpern. Sie hatte das Gefühl, extrem langsam voran zu kommen, und es erschien ihr unendlich weit bis zum Speisewagen. Dort endlich angekommen, traf sie auf den freundlichen Schaffner, der an der Theke saß, den Kopf in die Hände gestützt hatte und in dieser Haltung schlief.
Sie weckte ihn.
Eva sagte ihm, was ihr Mitreisender und sie vorhätten und bot an, ihm ein oder zwei Flaschen Wasser mitzubringen, da sie beide eine kleine Quelle entdeckt hätten. Er freute sich offensichtlich und gab ihr mit müden Augen zwei leere Fläschchen, die sie sich in die Hosentaschen stopfte. Und dann wies er auf eine Bank und sagte: "Setzen Sie sich einen Augenblick zu mir. Ich werde Ihnen jetzt etwas erzählen, weil Sie mir sympathisch sind. Aber bitte reden Sie nicht drüber, sonst bricht hier Panik aus. Und ich bin mir ja auch nicht sicher, ob mein Verdacht stimmt. Es ist nur ein Verdacht."
Eva setzte sich und wusste, dass sich ihre unheilvolle Ahnung jetzt bestätigen würde. Sie fröstelte plötzlich und die Luft wurde ihr knapp.

Der Schaffner setzte sich ihr gegenüber. "Ich habe auf dieser Strecke schon einmal einen Sandsturm erlebt. Man beruhigt uns zwar im Augenblick, sagt, dass morgen schon Geräte losgeschickt werden, um die Strecke frei zu räumen und dass der Sturm hier nicht herkommen wird. Das wirklich Schlimme ist auch nicht der Sandsturm an sich, sondern die seltsamen Umstände, die mit ihm verbunden sind. Die Sturm bringt irgend etwas mit. Die Leute schlafen und schlafen, sie können sich nicht wach halten. Deshalb wird auch in der Stadt, aus der uns Hilfe zugesagt worden ist, vielleicht ein paar Tage gar keine Hilfe kommen können. Diese verwünschte Müdigkeit macht es unmöglich. Beim letzten Mal sind die Räumgeräte auf halber Strecke stehen geblieben, weil die Besatzung eingeschlafen ist. Wenn mein Verdacht stimmt, kann gar kein Hubschrauber starten.
Auch in der Stadt werden einige der Verantwortlichen vielleicht schon schlafen. Das Schlafbedürfnis beschränkt sich ja nicht nur auf die Gegend, in der der Sandsturm gerade tobt, sondern verbreitet sich großräumig. Man sagt uns das zwar nicht, aber ich merke doch, wie müde ich bin. Die Nachrichten, die man uns schickt, dienen wahrscheinlich wirklich nur zur Beruhigung der Passagiere. Wenn Sie also in den Wald gehen wollen, dann tun Sie es, und zwar schnell. Es ist das beste, was Sie machen können. Ich würde auch gehen, aber ich bin verpflichtet, hier zu bleiben."

Er sah sie so müde und nett an, dass sie ihm die Hand drückte und aufzupassen versprach.

Dann hastete sie zurück durch die beklemmend stillen Gänge. Ein Geisterzug. Der reinste Albtraum. Im Vorübereilen sah sie aus den Augenwinkeln durch die Glastüren der Abteile all die Schläfer, die jetzt wie Tote auf sie wirkten. Kinder lagen klein und zusammengekrümmt auf den Bänken, ein Mann lag im Gang, und sie musste über ihn hinwegsteigen. Ihr Herz raste, sie keuchte vor Anstrengung. Beklemmung und Sauerstoffmangel drohten ihr die Luft abzuschnüren.
Außer dem Lärm, den sie mit ihrem Voranstürmen auf dem vibrierenden Metallboden verursachte und der in ihren Ohren dröhnte, hörte sie nichts und sah auch keine Bewegung. Sie war zwar keine ängstliche Natur, sonst hätte sie sich nicht auf diese Abenteuerreise eingelassen, aber jetzt packte sie nackte Furcht. Dazu kam ihre eigene Müdigkeit, die sie immer wieder stolpern ließ.
"Bloß raus hier!" Dieser Gedanke zwang sie, weiterzulaufen. "Der Wald ist unsere einzige Rettung. Wer weiß, was sonst mit uns geschieht! Wenn ich mich nicht beeile, dann stürze ich hier noch im letzten Moment auf den kalten, harten Gang und bleibe wie der arme Kerl eben schlafend liegen. Denn hochrappeln könnte ich mich nicht mehr."
Endlich ihr Waggon, ihr Abteil.

Reimer!" Sie rüttelte ihn an der Schulter, "Reimer, wach auf! Komm, wir müssen so schnell wie möglich in den Wald. Und wir nehmen unsere Decken mit. Ich erzähle dir nachher, was ich weiß."
Hektisch riss sie die Jacke vom Haken, fuhr hinein, schnappte die beiden Decken und die bereits wieder leeren Wasserflaschen. Reimer war wie gelähmt vor Müdigkeit. Er kam überhaupt nicht hoch, sondern plumpste wieder zurück auf den Sitz. "Ich mag nicht mehr", lallte er. "Ich möchte lieber den Sturm verschlafen." - "Nein!" sagte sie energisch, "nein! Du kommst jetzt mit mir mit oder ich gehe allein!" Das wirkte. Anscheinend hatte er trotz seiner Müdigkeit Angst um Eva. Also griff er nach seiner Jacke, war aber zu müde, sie anzuziehen, sondern ließ sie auf dem Boden hinter sich herschleifen, während er ihr viel zu langsam folgte. Sie drehte sich nach ihm um und schrie in Panik "Beeil dich doch!"
Die Schläfer in den Abteilen nahm er nicht wahr, aber ihre angstvoll überkippende Stimme jagte ihm einen Schrecken ein, und er versuchte, schneller zu gehen.
Beim Aussteigen knickte er ein und stürzte. Eva half ihm aufzustehen und zerrte ihn dann hinter sich her. Sie wunderte sich selbst, woher sie plötzlich so viel Kraft hatte. So hasteten und stolperten sie über das freie Feld..
Beide schafften es mit Müh und Not bis zum Waldrand. Eva strebte umgehend zur Quelle, setzte sich, trank und trank, als würde sie gegen die lähmende Müdigkeit antrinken. Reimer sank auf den Waldboden. "Warum hast du mich so gehetzt?" fragte er.
Sie antwortete nicht gleich, legte sich neben ihn und erholte sich. Hierher zu gelangen hatte sie fast übermenschliche Willenskraft gekostet.

Sie verbringen die folgende Nacht auf dem harten Waldboden. Auch am nächsten Morgen tobt der Sturm noch unvermindert. Reimers Versuch, den schützenden Wald zu verlassen, verursacht ihm Atemnot. So stellen Eva und Reimer Überlegungen an, wie groß ihre Überlebenschancen hier im Wald sind.

Eine Antwort auf alle ihre Fragen und Zweifel gab es nicht. Ihre Überlebenschancen waren, wenn man diesen mysteriösen Sand-Schlafsturm realistisch betrachtete, nicht rosig. Trotzdem wollten sie sich im Augenblick nicht unnötig verrückt machen und nahmen sich vor, erst einmal alles positiv zu sehen. Sie waren dem Zug entkommen. Also setzten sie sich wieder unter ihren Baum auf die Decke. Reimer legte den Arm um Evas Schultern und zog sie eng an sich.

So saßen sie schweigend beieinander. Eva hatte nicht wirklich Angst. Solange Reimer bei ihr war, würde sie sich ruhig und sicher fühlen. Wenn es denn sein sollte, dass sie sterben müssten, dann wäre es besser, hier mit ihm als im Zug. Schicksal...
Würde dieses Abenteuer sie je wieder freigeben, oder hatten sie sich bereits an den Wald mit seinen gigantischen Ausmaßen und dem märchenhaften Zauber der Nacht verloren?

Die Nacht... Sie dachte daran, wie nett es gewesen war, wie sie es genossen hatte, Reimer zu umarmen. Auch das gehörte zu dem Zauber dieses Waldes. Ein kurzer Gedanke an den muffigen Zug mit seinen schlafenden Passagieren, an die Zivilisation - brrr, weg mit dem Gedanken! Die waren bestimmt nicht besser dran. Hier war gute Luft und noch irgend etwas anderes, das sie nicht definieren konnte, das ihr aber Wohlbefinden vermittelte, obgleich jetzt auch ihr Magen laut und deutlich nach seinem Recht verlangte.

Und in diesem Augenblick sah sie ihn. Wieder stand er einfach da, ohne dass sie ihn zuvor hatte kommen hören, und sah sie an. Sah ihr direkt in die Augen. Der Pelzmensch.
Eva war so freudig überrascht, dass sie sekundenlang nur zu ihm starrte, ohne Reimer aufmerksam zu machen. Doch dann fing sie sich und flüsterte: "Schau mal dahin, wohin ich schaue." Einen Augenblick später sah auch er, was er ihr nicht hatte glauben wollen. Einen sehr großen, pelzbewachsenen Menschen. Denn der Riese sah, obgleich er Mensch und zugleich Tier zu sein schien, eher doch wie ein Mensch aus, Gesicht und Haltung waren menschlich. Auch die Proportionen stimmten. Nur der Pelz irritierte.
Reimer sah ihn nicht wie Eva mit Gefühl, sondern taxierte den Burschen ganz sachlich und stellte bei sich fest, dass dieser Waldmensch sogar intelligent aussah. Gleichzeitig erfasste ihn ein Staunen, eine Verwunderung über das, was er mit eigenen Augen sah: einen Menschen, der womöglich aus der Urzeit stammte. Mitten in Europa, mitten in der hochentwickelten, sogenannten zivilisierten Welt.

Die beiden Freunde rührten sich sekundenlang nicht, saßen mit angehaltenem Atem und starrten auf den Waldmenschen. Nur Reimer schlang in einer Geste des Beschützenwollens auch den anderen Arm um Eva. Und der Riese ließ sich ebenfalls Zeit, betrachtete die Eindringlinge  denn dass er hier der Hausherr war, wurde auch Reimer klar - in aller Ruhe.
Als er sich endlich lautlos - "trotz dieses schweren Körpers!" konstatierte Reimer in Gedanken - zu den beiden auf dem Boden Sitzenden bewegte, stand Reimer instinktiv auf. Er wollte dem Riesen gegenüber nicht kleiner als nötig erscheinen. Denn trotz dessen freundlichen Aussehens war Vorsicht geboten. Schließlich konnte man nicht wissen, was der Bursche im Schilde führte. Möglicherweise war die Angst der Bewohner dieses Landes vor dem Wald doch nicht unbegründet.

Auch Eva erhob sich schließlich zögernd. Sie spürte keinerlei Misstrauen gegenüber dem Fremden. Sie hatte sich immer auf ihr Gefühl verlassen und war dabei gut gefahren. Und ihr Gefühl hatte ihr schon bei der ersten Begegnung mit diesem Tiermenschen signalisiert: keine Gefahr. Ob hier nun aber derselbe Mensch stand wie gestern Morgen oder ein anderer, das vermochte sie nicht zu erkennen.
So standen sie sich gegenüber. Der graue Riese und die zwei Menschen, die sich sehr klein und unsicher fühlten.

Dann machte der Riese eine Bewegung, die wie ein Winken aussah. Gleichzeitig wandte er sich ab, ging ein paar Schritte, drehte sich wieder um und winkte erneut. Eva folgte ihm wie hypnotisiert. Reimer machte den flüchtigen Versuch, sie aufzuhalten, ging ihr dann aber nach. Sie ließ sich nicht aufhalten, das erkannte er, und allein wollte er sie mit diesem Waldmenschen auch nicht lassen. Was hatte er für eine Wahl? Zum Zug rennen? Wenn er den Zug überhaupt erreicht hätte, hätte er dort keine Hilfe bekommen. Aber wahrscheinlich wäre er nicht einmal bis dahin gekommen.
....

Ende der Auszüge aus Ute Eppich "Sandsturm"


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