geändert am 02.12.2005 - Version Nr.: 1. 68
Seiteninhalt: 1. Sendeplan - 2. Statistik
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Die Titel sind in der Sendereihenfolge angegeben. Die Zeiten geben den
ungefähren Beginn des Titels an. Der bzw. die Buchstaben neben der Uhrzeit
beschreibt die Art der Beschallung:
| B | Beitrag, Hörspiel, Collagen | |
| I | Interview oder Talk | |
| K | Kommentar oder Moderation oder Erzählung | |
| L | Lesung von Lyrik oder Prosa | |
| M | Musik | |
| S | Schnacks und Sprüche |
| Zeit | Art | Informationen |
| 16:06 | S M | schöne Schnacks und schnelle Sprüche Tom, de Toys mit dem Titel "1. Leicht wie Liebe (3:13)" von der CD Viel leicht wie Liebe (bei: Poemie) |
| 16:08 | S | Übersicht/Rückblick Leitthema: Ich habe Husten und es gibt CD's - Gewinner ds Poetry-Slams im November. (11.12 ist der nächste Poetry-Slam) - zwei Einspielungen von CD - Bodo Lehn - Übersicht |
| 16:13 | S | Übersicht/Rückblick musikalische Übersicht über die Konzerte in Göttingen Die Liste ist nicht vollständig. Ich habe nicht für alles Hörpröbchen vorliegen. Weitere Konzertveranstaltungen und Theaterhinweise finden sich auch der Internet-Chronik "Bürgerstimen im Göttingerland" Konzerthinweise in der Internet-Chronik Bürgerstimmen Konzerthinweise in der Internet-Chronik Bürgerstimmen |
| 16:16 | M | Katja Ebstein mit dem Titel "2. Die schlesischen Weiber (3:01)" von der CD ... singt Heinrich Heine (bei: Universal Music / EMI) Zusatzinfo: Auftritt Heute, Fr. 25.11.05 20:00 Aula in der Alten PH, Waldweg 26, Göttingen-Univiertel |
| 16:17 | S | Übersicht/Rückblick Bodo Lehn - Die Liebe und das Leben - Was istbisher passiert? Bernd Böhlendorf sah seine Berufung im Schreiben.; gleichzeitig wusste er aber, dass er einen ordentlichen Job als Standbein brauchte. Er wollte sich nicht ewig von Ines, seiner sozial engagierten Freundin, durchfüttern lassen. Für seine Geschichte nahm er das Leben als Vorlage, wobei er zum Beispiel von Ines Impulse erhielt, die in ihrem Altenheim stets mit dem Tod konfrontiert und die gerade festegestellt hat, dass sie schwanger ist. |
| 16:20 | L | Kontakt: "bodo [at] bodoartwork.de" |
| 16:24 | M | isola mit dem Titel "1.Last month, 3 days to go! (3:00)" von der CD 4-Track-Promo CD (bei: Musikerpressung) Zusatzinfo: Auftritt morgen, Sa. 26.11.05 21:00 Cafe Kreuzberg, Göttingen-Univiertel |
| 16:28 | I | Talk Interview mit Ivan Mijailovic Gewinner des Poetry-Slmas im November. Der Göttinger Autor spricht einwenig über sein Leben, über seine Passion für das Schreiben und über seine Geschichte "Keiner Küsst Gauss" |
| 16:31 | M | sugareen mit dem Titel "7. Can't sleep tonight (3:51)" von der CD --- keine Emailangaben --- Zusatzinfo: Abschiedskonzert / Bandauflösung? heute: Fr. 25.11.05 - 21:00 Nörgelbuff, Göttingen- Innenstadt |
| 16:36 | I | Talk Ivan Mijailovic liest "Keiner küsst Gauss" (Teil 1) Keiner küsst Gaus Am Alten Rathaus hängt die Uhr wie eine Vollmond Kopie und leuchtet gelblich. Mitternacht. Es ist einem warm um das Herz, beim Anblick des Rathauses auf dem leeren Platz, man betrachtet die süße kitschige Anordnung von alten Steinen, fängt an über gute alte Zeiten nachzudenken, dann - plötzlich - erinnert man sich an Hexenverbrennungen, Krankheiten und mangelnde medizinische Vorsorge und so verlässt einen schnell die Wehmut. Der Platz ist leer und nur wenige Nachtvögel kommen torkelnd aus den Seitenstrassen. Vor dem Alten Rathaus steht das Symbol der Stadt. Ein Mädchen, eine Frau, die noch keine ist, unweigerlich aber eine wird. Ihr Busen ist schon da, ihr Blick ist gesenkt, wahrscheinlich die Vorstellung des Künstlers vom Benehmen einer Magd, oder er wollte erotische Spannung in sein Werk einfließen lassen. Vielleicht ist sie auf dem Weg nach Hause von einem Studenten angehalten worden, der ihr ein paar Unverschämtheiten ins Ohr geflüstert hat. Ein Träger ihres Kleides rutscht langsam die Schulter entlang. Sie trägt einen Korb, aus dem ein Gänsekopf ragt und neugierig in die Welt hinein guckt. Sie wird oft geküsst, auch noch jetzt, wo sie kalt und in Bronze gegossen dasteht. Fast täglich kommen Doktoranden, die betrunken auf den Brunnensims klettern und sie küssen, ungefragt selbstverständlich. In diesem Winter ereigneten sich zwei Zwischenfälle. Ein Physiker wurde in die Not-Ambulanz eingeliefert, nachdem er auf dem überfrorenen Sims ausgerutscht war, sich die Schneidezähne ausgeschlagen und den rechten Arm gebrochen hatte. Dem anderen, einem Juristen, der übermütig seine Zunge ausstreckte mit der Absicht, das Mädel abzulecken, blieb die Zunge an ihren Lippen kleben. Es war zu kalt, das wäre dem Physiker nicht passiert. Aber so ist es nun Mal, jeder hat seine Schwachpunkte. Die Augenzeugen sagten, der Anwalt, kleinwüchsig, habe eine gewisse Zeit auf Zehenspitzen auf dem Brunnensims verharrt. Seine Begleiter wunderten sich schon, dass der Kuss so lange dauerte, ein Hilferuf war nicht möglich, und irgendwann rutschte er in den Brunnen, sein ganzes Gewicht zog auch die Zunge mit sich, das Gänseliesel ließ aber die Zunge nicht los, die wie ein ausgeleierter Lappen an ihrem Gesicht kleben blieb. Eine Kommilitonin die das Ganze beobachtet hatte, sah wie sich die Zunge, befreit vom Besitzer, wortlos bewegte und verlor das Bewusstsein. Futsch mit tollen Gerichtsplädoyers, Futsch mit Rhetorik, Sprachgewandtheit, Eloquenz. Aber nichts ist zu vergleichen mit einem Kollegen des Juristen, einem Verbindungsstudenten, der schon 17 Semester Paragrafen büffelte. Es passierte letzten Sommer. Er war nicht mal fertig mit seinem Studium, aber er wollte sie schon als Vorspiel von Hinten nehmen. Er hielt ihre zarte Brust und wie ein Eber quiekte er während des Versuches, mit seinem Organ das Innere der Skulptur zu erkunden. Er war aber dieser Aufgabe nicht gewachsen, dazu kam, dass sich Gänseliesel wehrte, schließlich war sie keine von denen. Das Ergebnis: kein Geschlechtsverkehr für eine lange, lange Zeit und 28 Stiche an seinem Pimmel. In 40 Jahren wird der besagte Bursche, dann schon ein alter Mann mit ergrautem Haar, ein respektabeler Wirtschaftsjurist, beim jährlichen Familientreff zu später Stunde, wenn die Männer sich besoffen Witze erzählen, auf langes insistieren hin sein nur noch zum pissen benutztes Werkzeug auf dem massiven Mahagonitisch zur Schau stellen. Er behauptet allerdings immer, dass es sich bei der Narbe um eine Mensurverletzung handelt. Und sogar im Himmel sorgte die Gänsehüterin für Ärger. Eine weiße Tür mit zwei Flügeln, deren obere Kante wegen des dichten Nebels nicht zu ergründen war. Der Nebel waberte auch über den Boden. Rechts von der Tür stand ein großer, etwas altmodischer Bürotisch. Zwischen hohen Papierstapeln lugte eine Halbglatze mit Schirmmütze hervor und schrieb hektisch mit einer Feder. Der Mann, der auf einem Wartestuhl saß, war sichtlich nervös. Er zupfte ständig an seinem Ziegenbart herum. An der Tür stand in großen, fetten Buchstaben GOTT. Darunter: jeden zweiten Sonntag von 08.00 -14.00 Uhr. Pause von 12.00 bis 13.00 Uhr. "Also du meinst ich schaffe das heute." "Alles ist in Gottes Hand, Herr Gauß" - sagte der Sekretär Gottes ohne aufzublicken. "Ich warte aber seit 70 Jahren!!!" -protestierte Gauß. "Hier spielt Zeit keine wesentliche Rolle. Besser Sie gewöhnen sich dran" - antwortete der Sekretär Gottes und schrieb fleißig weiter. Drinnen, in einem holzgeschnitzten, Sessel saß Gott. An jedem zweiten Sonntag, wenn die Sprechstunden für sein Himmelreich stattfanden, nahm er die Gestalt des alten, weisen Mannes mit weißen Haaren und genauso weißem langen Bart an. Gott wollte sie nicht enttäuschen, er gab ihnen was sie erwarteten. Seine rechte Hand Petrus stand in seiner Nähe und zitterte. "Muss das mit dem Nebel sein??? Ich friere mir den Arsch ab. Diese billige Mystifizierung." "Du kannst nicht frieren, wie oft muss ich dir das noch erklären. Du bist tot. Deine Gestalt ist nichts anderes als dieser Nebel. Nur ein Gefallen für euch einfache Gemüter, die die Erinnerungen nicht loslassen können. Sogar im Himmel sehnt ihr euch nach dem Fleisch, nach der Sünde." - sagte Gott. "Ich will keine Theologiestunde, eher eine Stunde Sauna oder am Strand liegen um meine Knochen aufzuwärmen" - dachte Petrus. "Ich höre dich!!!" - schrie Gott ihn an. Er fischte einen eisernen Kelch aus dem Nebel, trank den Wein aus und warf den Kelch nach Petrus. Das Gefäß flog durch Petrus hindurch und verschwand mit einem dumpfen Knall im Bodennebel. Petrus zuckte. "Aha, siehst du", sagte Gott triumphierend, "du kannst dich mit dem Himmel nicht abfinden". Petrus schwieg. "Bald ist Feierabend und wir können einen Film gucken", sagte Gott beschwichtigend. "Schon wieder Bruce Lee!?" - fragte Petrus entrüstet, verdrehte die Augen und verschränkte die Arme. "Du bist wirklich ein Miesepeter... Was haben wir noch zu erledigen?" - fragte Gott. Petrus zog ein Pergament aus seiner Toga, guckte darauf und sagte: "Noch einer ist da: Gauß." "Welcher von den 82.197 Gaußen denn?" "Der Mathematiker aus Göttingen." "Und was will er, is' wuscht, lass ihn rein." "Na gut, sag nur nicht, dass ich dich nicht gewarnt habe." -sagte Petrus. Gott sagte nichts, guckte auf seine Uhr und wartete ungeduldig auf den Feierabend. Petrus ging nach Draußen und kam bald mit einem kleinen alten Mann mit Ziegenbart, dessen schwarze Mütze schief auf seinem Kopf saß wieder. "Grüß Gott, Gauß ist mein Name", sagte er und wedelte mit einem Stoß vergilbter Blätter herum. Ein paar Blätter fielen auf den Boden und Gauß bückte sich. Sein ganzer Körper verschwand im Nebel, nur sein Gesäß guckte periskopartig daraus hervor. Gott und Petrus sahen belustigt, wie der Gaußsche Arsch beim Versuche alle Papiere aufzusammeln durch den Raum glitt. Nach einer Weile stand er auf und übergab Gott den Papierbund. "Und, was soll ich damit?" - fragte Gott. "Das ist mein Lebenslauf mit Diplomen, den Errungenschaften meines wissenschaftlichen Daseins." "Sag mal, spinnst du? Ich bin Gott, und ich weiß alles über dich..." "Na ja", unterbrach ihn Gauß, "ich habe nur gedacht falls sie etwas vergessen, als Erinnerungsstütze..." "Gauß, ich warne dich..." sagte Gott bedrohlich. Gauß schwieg. "Na dann raus mit der Sprache, was willst du?" "Also ich finde, ich sollte das Symbol Göttingens sein!" "Wie bitte?" - fragte Gott erstaunt. "Ich meine, dass dieses kleine Flittchen vor dem Rathaus steht..." "Vorsicht mit der Sprache" - mischte sich Petrus ein. "Ich meinte, dieses Fräulein mit der Gans, es ist ungeheuerlich, ich bin neben Archimedes der bedeutendste Mathematiker aller Zeiten. Und jetzt..." "Was willst du? Du hast doch dein Denkmal..." "Sie meinen", unterbrach ihn Gauß schon wieder, "in diesem Pennerpark, wo ich den Sockel mit Weber teilen muss? Da werde ich ständig bepinkelt, am helllichten Tage sogar. Ich habe den Platz vor dem Rathaus verdient!!!" - beendete er zornig seine Aussage. In dem Moment hörte man Lärm: hnihaaanihaaa und etwas stürzte durch die Tür. Auf einem hölzernen Pferd und mit einem Holzsäbel wedelnd galoppierte ein Mann durch das Büro Gottes. Der Sekretär kam hinterher gelaufen. "Er war einfach nicht zu stoppen." - sagte der Sekretär frustriert. Gott drehte sich zu Petrus und sagte leise: "Hatten wir uns nicht entschieden, dass es ein Fehler war Bismarck hierher zu holen, eigentlich ist er unten viel besser aufgehoben". "Ist in die Wege geleitet" - sagte Petrus leise. "Was willst du denn hier?" -fragte Gauß erstaunt. "Ich habe in Göttingen studiert..." - fing Bismarck an. "Meinst du gezecht und randaliert? Du wurdest rausgeschmissen!" -sagte Gauß. "Jugendsünden, Jugendsünden, mein lieber Friedrich. Wie auch immer, ich denke, dass meine stattliche Figur, auf dem Pferd und mit gezogenem Säbel selbstverständlich, statt des Hausmädels vor dem Rathaus stehen sollte". Dabei posierte er schon mit seinem Holzpferdchen, das er mit der linken Hand zwischen den Beinen festhielt und mit dem ausgestreckten Holzsäbel für den unsichtbaren Künstler. "Guten Abend, Herrschaften". Alle Augen drehten sich zu dem kleinen, gebückten Manne, der unbemerkt den Raum betreten hatte. Er hatte einen belustigten Gesichtausdruck und sein Name war Lichtenberg. "Also, wenn ich mich einmischen darf, ich kann Ihnen jeder Zeit meinen Skulpturplatz überlassen. Ich werde dort ständig von Tauben bekackt. Die meisten, die mich fotografieren und umarmen und Spielchen treiben, wissen nicht Mal wie ich heiße, geschweige denn, dass sie meine Bücher gelesen hätten. Damals, als ich noch lebte, habe ich Bücher geschrieben, um den Leuten zu gefallen, ein toller Fechter war ich nicht", dabei guckte er Bismarck an, "und ein prächtig aussehender Bursche noch weniger. Ich glaube ich wollte, einfach gesagt, meinen Buckel durch meine Bücher kleiner machen. Was ist passiert - ich bin für die meisten, die mich sehen ein buckeliger lustiger Zwerg. Sogar die Japaner, die mich anknipsen, lachen über meinen Wuchs. Sie sind meist größer als ich. Wenn das keine Ironie ist......... Ihr könnt gern meinen Platz haben... "- sagte er traurig. Alle schwiegen eine Weile und dachten über diese ungewöhnliche Einstellung zum Ruhm nach. "Niiieeeee, prrrr. Also, wenn ich bemerken darf... "- sagte Bismarck. "Neee, darfst Du nicht!" - sagte Gott. Im gleichen Moment verwandelte sich das Pferd samt des Säbels des Ex Reichskanzlers in Sägespäne. Bismarck stand mit offenem Mund da und suchte mit den Augen sein Pferdchen. "Also, was tun wir Petrus?" - fragte Gott seinen treuen Begleiter und guckte schon wieder auf seine Uhr. "Herr Gauß langweilt sich offensichtlich. Wir haben doch gestern eine ganze Berufsschulklasse, Maurer, wenn ich mich nicht irre, eingeliefert bekommen. Die haben bei einer Exkursion in Freiburg den Schulbus entführt und sind sternhagelvoll in den Alpen von der Strasse abgekommen. Äußerst untalentierte Knaben. Nur an Suff, Grass und Extasy interessiert. Die in Mathematik zu unterrichten, ist eine richtige Herausforderung." "Das gefällt mir, das gefällt mir" - lachte Gott und rieb sich zufrieden die Hände. "Was dich betrifft", guckte Gott Lichtenberg an, "da brauchen wir nicht viel zu machen, die Leute lesen dich nicht mehr so viel, die lesen lieber Krimis und die Zeit wird schon kommen, wo keiner mehr weiß, wer du bist. Irgendwann wird auch der Bürgermeister Danielowitch dein Denkmal wegoptimieren. Und der Fall Bismarck ist in die Wege geleitet." Er drehte sich zu Bismarck, der vom Boden aufgesammelte Späne in seinen Händen hielt und verwundert darauf guckte. "Da wo du hingehst, wirst du viel wärmer empfangen." - sagte Gott und lachte über seinen Witz. Plötzlich verschwanden alle außer Petrus und Gott. "Du hast vergessen mit den Fingern zu schnipsen!" - stellte Petrus fest. "Stimmt... Es war ein anstrengender Tag, a, Petrus?" - sagte Gott. "Allerdings, allerdings." - antwortete Petrus und fror weiter. Keiner küsst Gaus Am Alten Rathaus hängt die Uhr wie eine Vollmond Kopie und leuchtet gelblich. Mitternacht. Es ist einem warm um das Herz, beim Anblick des Rathauses auf dem leeren Platz, man betrachtet die süße kitschige Anordnung von alten Steinen, fängt an über gute alte Zeiten nachzudenken, dann - plötzlich - erinnert man sich an Hexenverbrennungen, Krankheiten und mangelnde medizinische Vorsorge und so verlässt einen schnell die Wehmut. Der Platz ist leer und nur wenige Nachtvögel kommen torkelnd aus den Seitenstrassen. Vor dem Alten Rathaus steht das Symbol der Stadt. Ein Mädchen, eine Frau, die noch keine ist, unweigerlich aber eine wird. Ihr Busen ist schon da, ihr Blick ist gesenkt, wahrscheinlich die Vorstellung des Künstlers vom Benehmen einer Magd, oder er wollte erotische Spannung in sein Werk einfließen lassen. Vielleicht ist sie auf dem Weg nach Hause von einem Studenten angehalten worden, der ihr ein paar Unverschämtheiten ins Ohr geflüstert hat. Ein Träger ihres Kleides rutscht langsam die Schulter entlang. Sie trägt einen Korb, aus dem ein Gänsekopf ragt und neugierig in die Welt hinein guckt. Sie wird oft geküsst, auch noch jetzt, wo sie kalt und in Bronze gegossen dasteht. Fast täglich kommen Doktoranden, die betrunken auf den Brunnensims klettern und sie küssen, ungefragt selbstverständlich. In diesem Winter ereigneten sich zwei Zwischenfälle. Ein Physiker wurde in die Not-Ambulanz eingeliefert, nachdem er auf dem überfrorenen Sims ausgerutscht war, sich die Schneidezähne ausgeschlagen und den rechten Arm gebrochen hatte. Dem anderen, einem Juristen, der übermütig seine Zunge ausstreckte mit der Absicht, das Mädel abzulecken, blieb die Zunge an ihren Lippen kleben. Es war zu kalt, das wäre dem Physiker nicht passiert. Aber so ist es nun Mal, jeder hat seine Schwachpunkte. Die Augenzeugen sagten, der Anwalt, kleinwüchsig, habe eine gewisse Zeit auf Zehenspitzen auf dem Brunnensims verharrt. Seine Begleiter wunderten sich schon, dass der Kuss so lange dauerte, ein Hilferuf war nicht möglich, und irgendwann rutschte er in den Brunnen, sein ganzes Gewicht zog auch die Zunge mit sich, das Gänseliesel ließ aber die Zunge nicht los, die wie ein ausgeleierter Lappen an ihrem Gesicht kleben blieb. Eine Kommilitonin die das Ganze beobachtet hatte, sah wie sich die Zunge, befreit vom Besitzer, wortlos bewegte und verlor das Bewusstsein. Futsch mit tollen Gerichtsplädoyers, Futsch mit Rhetorik, Sprachgewandtheit, Eloquenz. Aber nichts ist zu vergleichen mit einem Kollegen des Juristen, einem Verbindungsstudenten, der schon 17 Semester Paragrafen büffelte. Es passierte letzten Sommer. Er war nicht mal fertig mit seinem Studium, aber er wollte sie schon als Vorspiel von Hinten nehmen. Er hielt ihre zarte Brust und wie ein Eber quiekte er während des Versuches, mit seinem Organ das Innere der Skulptur zu erkunden. Er war aber dieser Aufgabe nicht gewachsen, dazu kam, dass sich Gänseliesel wehrte, schließlich war sie keine von denen. Das Ergebnis: kein Geschlechtsverkehr für eine lange, lange Zeit und 28 Stiche an seinem Pimmel. In 40 Jahren wird der besagte Bursche, dann schon ein alter Mann mit ergrautem Haar, ein respektabeler Wirtschaftsjurist, beim jährlichen Familientreff zu später Stunde, wenn die Männer sich besoffen Witze erzählen, auf langes insistieren hin sein nur noch zum pissen benutztes Werkzeug auf dem massiven Mahagonitisch zur Schau stellen. Er behauptet allerdings immer, dass es sich bei der Narbe um eine Mensurverletzung handelt. Und sogar im Himmel sorgte die Gänsehüterin für Ärger. Eine weiße Tür mit zwei Flügeln, deren obere Kante wegen des dichten Nebels nicht zu ergründen war. Der Nebel waberte auch über den Boden. Rechts von der Tür stand ein großer, etwas altmodischer Bürotisch. Zwischen hohen Papierstapeln lugte eine Halbglatze mit Schirmmütze hervor und schrieb hektisch mit einer Feder. Der Mann, der auf einem Wartestuhl saß, war sichtlich nervös. Er zupfte ständig an seinem Ziegenbart herum. An der Tür stand in großen, fetten Buchstaben GOTT. Darunter: jeden zweiten Sonntag von 08.00 -14.00 Uhr. Pause von 12.00 bis 13.00 Uhr. "Also du meinst ich schaffe das heute." "Alles ist in Gottes Hand, Herr Gauß" - sagte der Sekretär Gottes ohne aufzublicken. "Ich warte aber seit 70 Jahren!!!" -protestierte Gauß. "Hier spielt Zeit keine wesentliche Rolle. Besser Sie gewöhnen sich dran" - antwortete der Sekretär Gottes und schrieb fleißig weiter. Drinnen, in einem holzgeschnitzten, Sessel saß Gott. An jedem zweiten Sonntag, wenn die Sprechstunden für sein Himmelreich stattfanden, nahm er die Gestalt des alten, weisen Mannes mit weißen Haaren und genauso weißem langen Bart an. Gott wollte sie nicht enttäuschen, er gab ihnen was sie erwarteten. Seine rechte Hand Petrus stand in seiner Nähe und zitterte. "Muss das mit dem Nebel sein??? Ich friere mir den Arsch ab. Diese billige Mystifizierung." "Du kannst nicht frieren, wie oft muss ich dir das noch erklären. Du bist tot. Deine Gestalt ist nichts anderes als dieser Nebel. Nur ein Gefallen für euch einfache Gemüter, die die Erinnerungen nicht loslassen können. Sogar im Himmel sehnt ihr euch nach dem Fleisch, nach der Sünde." - sagte Gott. "Ich will keine Theologiestunde, eher eine Stunde Sauna oder am Strand liegen um meine Knochen aufzuwärmen" - dachte Petrus. "Ich höre dich!!!" - schrie Gott ihn an. Er fischte einen eisernen Kelch aus dem Nebel, trank den Wein aus und warf den Kelch nach Petrus. Das Gefäß flog durch Petrus hindurch und verschwand mit einem dumpfen Knall im Bodennebel. Petrus zuckte. "Aha, siehst du", sagte Gott triumphierend, "du kannst dich mit dem Himmel nicht abfinden". Petrus schwieg. "Bald ist Feierabend und wir können einen Film gucken", sagte Gott beschwichtigend. "Schon wieder Bruce Lee!?" - fragte Petrus entrüstet, verdrehte die Augen und verschränkte die Arme. "Du bist wirklich ein Miesepeter... Was haben wir noch zu erledigen?" - fragte Gott. Petrus zog ein Pergament aus seiner Toga, guckte darauf und sagte: "Noch einer ist da: Gauß." "Welcher von den 82.197 Gaußen denn?" "Der Mathematiker aus Göttingen." "Und was will er, is' wuscht, lass ihn rein." "Na gut, sag nur nicht, dass ich dich nicht gewarnt habe." -sagte Petrus. Gott sagte nichts, guckte auf seine Uhr und wartete ungeduldig auf den Feierabend. Petrus ging nach Draußen und kam bald mit einem kleinen alten Mann mit Ziegenbart, dessen schwarze Mütze schief auf seinem Kopf saß wieder. "Grüß Gott, Gauß ist mein Name", sagte er und wedelte mit einem Stoß vergilbter Blätter herum. Ein paar Blätter fielen auf den Boden und Gauß bückte sich. Sein ganzer Körper verschwand im Nebel, nur sein Gesäß guckte periskopartig daraus hervor. Gott und Petrus sahen belustigt, wie der Gaußsche Arsch beim Versuche alle Papiere aufzusammeln durch den Raum glitt. Nach einer Weile stand er auf und übergab Gott den Papierbund. "Und, was soll ich damit?" - fragte Gott. "Das ist mein Lebenslauf mit Diplomen, den Errungenschaften meines wissenschaftlichen Daseins." "Sag mal, spinnst du? Ich bin Gott, und ich weiß alles über dich..." "Na ja", unterbrach ihn Gauß, "ich habe nur gedacht falls sie etwas vergessen, als Erinnerungsstütze..." "Gauß, ich warne dich..." sagte Gott bedrohlich. Gauß schwieg. "Na dann raus mit der Sprache, was willst du?" "Also ich finde, ich sollte das Symbol Göttingens sein!" "Wie bitte?" - fragte Gott erstaunt. "Ich meine, dass dieses kleine Flittchen vor dem Rathaus steht..." "Vorsicht mit der Sprache" - mischte sich Petrus ein. "Ich meinte, dieses Fräulein mit der Gans, es ist ungeheuerlich, ich bin neben Archimedes der bedeutendste Mathematiker aller Zeiten. Und jetzt..." "Was willst du? Du hast doch dein Denkmal..." "Sie meinen", unterbrach ihn Gauß schon wieder, "in diesem Pennerpark, wo ich den Sockel mit Weber teilen muss? Da werde ich ständig bepinkelt, am helllichten Tage sogar. Ich habe den Platz vor dem Rathaus verdient!!!" - beendete er zornig seine Aussage. In dem Moment hörte man Lärm: hnihaaanihaaa und etwas stürzte durch die Tür. Auf einem hölzernen Pferd und mit einem Holzsäbel wedelnd galoppierte ein Mann durch das Büro Gottes. Der Sekretär kam hinterher gelaufen. "Er war einfach nicht zu stoppen." - sagte der Sekretär frustriert. Gott drehte sich zu Petrus und sagte leise: "Hatten wir uns nicht entschieden, dass es ein Fehler war Bismarck hierher zu holen, eigentlich ist er unten viel besser aufgehoben". "Ist in die Wege geleitet" - sagte Petrus leise. "Was willst du denn hier?" -fragte Gauß erstaunt. "Ich habe in Göttingen studiert..." - fing Bismarck an. "Meinst du gezecht und randaliert? Du wurdest rausgeschmissen!" -sagte Gauß. "Jugendsünden, Jugendsünden, mein lieber Friedrich. Wie auch immer, ich denke, dass meine stattliche Figur, auf dem Pferd und mit gezogenem Säbel selbstverständlich, statt des Hausmädels vor dem Rathaus stehen sollte". Dabei posierte er schon mit seinem Holzpferdchen, das er mit der linken Hand zwischen den Beinen festhielt und mit dem ausgestreckten Holzsäbel für den unsichtbaren Künstler. "Guten Abend, Herrschaften". Alle Augen drehten sich zu dem kleinen, gebückten Manne, der unbemerkt den Raum betreten hatte. Er hatte einen belustigten Gesichtausdruck und sein Name war Lichtenberg. "Also, wenn ich mich einmischen darf, ich kann Ihnen jeder Zeit meinen Skulpturplatz überlassen. Ich werde dort ständig von Tauben bekackt. Die meisten, die mich fotografieren und umarmen und Spielchen treiben, wissen nicht Mal wie ich heiße, geschweige denn, dass sie meine Bücher gelesen hätten. Damals, als ich noch lebte, habe ich Bücher geschrieben, um den Leuten zu gefallen, ein toller Fechter war ich nicht", dabei guckte er Bismarck an, "und ein prächtig aussehender Bursche noch weniger. Ich glaube ich wollte, einfach gesagt, meinen Buckel durch meine Bücher kleiner machen. Was ist passiert - ich bin für die meisten, die mich sehen ein buckeliger lustiger Zwerg. Sogar die Japaner, die mich anknipsen, lachen über meinen Wuchs. Sie sind meist größer als ich. Wenn das keine Ironie ist......... Ihr könnt gern meinen Platz haben... "- sagte er traurig. Alle schwiegen eine Weile und dachten über diese ungewöhnliche Einstellung zum Ruhm nach. "Niiieeeee, prrrr. Also, wenn ich bemerken darf... "- sagte Bismarck. "Neee, darfst Du nicht!" - sagte Gott. Im gleichen Moment verwandelte sich das Pferd samt des Säbels des Ex Reichskanzlers in Sägespäne. Bismarck stand mit offenem Mund da und suchte mit den Augen sein Pferdchen. "Also, was tun wir Petrus?" - fragte Gott seinen treuen Begleiter und guckte schon wieder auf seine Uhr. "Herr Gauß langweilt sich offensichtlich. Wir haben doch gestern eine ganze Berufsschulklasse, Maurer, wenn ich mich nicht irre, eingeliefert bekommen. Die haben bei einer Exkursion in Freiburg den Schulbus entführt und sind sternhagelvoll in den Alpen von der Strasse abgekommen. Äußerst untalentierte Knaben. Nur an Suff, Grass und Extasy interessiert. Die in Mathematik zu unterrichten, ist eine richtige Herausforderung." "Das gefällt mir, das gefällt mir" - lachte Gott und rieb sich zufrieden die Hände. "Was dich betrifft", guckte Gott Lichtenberg an, "da brauchen wir nicht viel zu machen, die Leute lesen dich nicht mehr so viel, die lesen lieber Krimis und die Zeit wird schon kommen, wo keiner mehr weiß, wer du bist. Irgendwann wird auch der Bürgermeister Danielowitch dein Denkmal wegoptimieren. Und der Fall Bismarck ist in die Wege geleitet." Er drehte sich zu Bismarck, der vom Boden aufgesammelte Späne in seinen Händen hielt und verwundert darauf guckte. "Da wo du hingehst, wirst du viel wärmer empfangen." - sagte Gott und lachte über seinen Witz. Plötzlich verschwanden alle außer Petrus und Gott. "Du hast vergessen mit den Fingern zu schnipsen!" - stellte Petrus fest. "Stimmt... Es war ein anstrengender Tag, a, Petrus?" - sagte Gott. "Allerdings, allerdings." - antwortete Petrus und fror weiter (c) Ivan Mijailovic |
| 16:39 | M | Philharmonia Orchestra Kurt Sanderling mit dem Titel "Symphony No. 2 in E minor op 27.- Track 2" von der CD / vom Album Rachmaninov Symphony NO.2 Zusatzinfo: Auftritt des Göttinger Synphony-Orchester heute Fr. 25.11.05 - 20:15 Stadthalle, Göttingen-Innenstadt |
| 16:47 | I | Talk Ivan Mijailovic liest "Keiner küsst Gauss" (Teil 2) |
| 16:51 | M | New Orleans Syncopators mit dem Titel "15. 18. Anytime" von der CD Anytime (bei: Eigenpressung -Industrial Hypnosis) Zusatzinfo: Autritt So. 27.11.05 17:00 Apex, Göttingen-Innenstadt |
| 16:53 | M | Albert-Schein-Duo mit dem Titel "5. Collage of Musikstyle - Part 5 (1:21)" von der CD LiveDemoCollage (bei: Musikerpressung) Zusatzinfo: Auftritt zusammen mit Sven von Samson heute 25.11.05, 20:00 Apex, Göttingen-Innenstadt |
| 16:55 | S | Übersicht/Rückblick nächste Sendung - 2.12.05 - Vorstelluing von Gedichten und Texten des Literaturkreises Geismar. - Veranstaltungskalender |
| 16:58 | L | Kontakt: "sonja [at] gedichte4u.edv-on.net" Zusatzinfo: CD Die CD kann wie auch die Anthologie mit "Schmunzelwerkstatt" mit Ausgewählten Gedichten von Frau Bartl über die Website der Autorin bezogen werden. Sonja Bartl: Tierisch Lustig Sonja Bartl: Tierisch Lustig |
| 17:01 | M | Tomintoul mit dem Titel "7. B-Song (2:59)" von der CD Promo-CD (bei: Musikerpressung) Zusatzinfo: Cooler Poprock Band aus München |
Die statistischen Daten beziehen sich auf die Planung. Oft ist der Redeanteil in der
Live-Sendung
etwas höher und der Musikanteils etwas kleiner. Die Informationen dienen also nur als ungefähre Richtgröße,
wie interessant oder wie kurzweilig die Sendung sein wird. Dafür unterscheidet die Analyse auch zwischen uninformativen
Schnacks und informativen Reden. Zu den uninformativen Schnacks gehört unter anderem die alleinige
Ansage eines Musiktitel, die Vorstellung der Sendung, ein Kommentar über das Wetter oder
kleine humoristische Anmerkungen des Moderators. Zu den informativen Reden gehören unter
anderem längere Moderationen und Kommentare. Talks, Interviews und Beiträge zählen dagegen zu den redaktionellen
Informationen.
Die Gesamtdauer ist oft kürzer als die Summe der Zeiten für die Einzelformen. Dies liegt zum Beispiel
daran, dass manchmal gleichzeitig moderiert und Musik gespielt wird. In diesem Fall werden für beide
Formen die Zeiten aufaddiert. So wird die Zeit zweimal addiert und es kommt zu der Differenz.