In der "Nacht der Lyrik" am 24/25. August las
Karen Lohr ( Email: [- Emailadresse aus Spamschutz am 1.3.2010 gelöscht -] )
ihre Kurzgeschichte, das zum Nachlesen abgedruckt ist.
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Engel im blauen Gewand
Sie besucht mich jeden Abend.
Engel mn blauen Gewande, rauchigsamten.
Sie küßt stets meine Stirn als letzte; Todesengel schleichenden Schrittes,
grausam und doch gemessen, durchzieht sie den Raum.
Ich scheine inzwischen an meinem Sessel festgewachsen zu sein, als
verschlängen sich meine Adern und Zellen mit den Atomen des
Stoffes und Schaumgummis, wie Efeu.
Sie redet, spricht mit vielen Zungen auf mich ein, läßt Vergangenes
auf mich niederprasseln gleich einem Steinhagel, vertreibt die Freude,
sie wiederzusehen mit der Melancholie, der unendlichen, ewigen
Trauer. Sie zerreißt mir förmlich das Herz, hält es in ihren feinen
Händen, die wie Dunst sind, so leicht und zerbröselt es zwischen
ihren Fingern gleich Herbstlaub.
Sie hat diese Wirkung auf mich, das vergesse ich jedes Mal wieder.
Bittersüßes Vergehen, Sterben im freien Fall, das ist es, was sie offeriert.
Ich starre sie einen Moment an, meinen Schierlingsbecher, von dem
ich schon getrunken habe. Sie sieht fast schön aus, wie sie da steht,
der matte Schein der Kerze beleuchtet ihren Kopf, spiegelt sich auf
ihrem langen gläsernen Hals.
Ich strecke meine Hände aus, berühre sie und ziehe sie zu mir heran.
Ich versuche, sie zu entzünden, und sie ist noch einmal gnädig,
sie schenkt noch einmal Vergessen heute Nacht, und Dunkel, Finsternis,
Stille werden folgen, wenn ich in ihr ertrunken bin und ihr Atem mich
irgendwann gänzlich auszufüllen scheint. Sie schenkt nicht Leben,
atmet Tod, ich weiß es, aber im selben Augenblick habe ich es schon
wieder vergessen und ich stoße ihren weißen dichten Qualm aus
meinen Lungen, die Pfeife entgleitet meinen Fingern,
zerschellt auf den Fliesen.
Karen Lohr ( Email:[- Emailadresse aus Spamschutz am 1.3.2010 gelöscht -])
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